Du hast ausnahmsweise mal pünktlich Feierabend gemacht, denn heute erwartet dich was Großes:
Zum ersten Mal seit Jahren gehst du auf ein Konzert deiner Immer-wieder-Lieblingsband Subway To Sally. Die Karte hast du zu Weihnachten bekommen, das zum Anlass passende Kleid passt auch wieder.
Jetzt stehst du in einem dieser niedlichen preiswerten Gemischtwarenläden vor einem Regal Haarreifen und überlegst, welcher dem Anlass angemessen wäre. (irgendwie war bei den einunddrölfzig zuhause verwahrten Accessoires nix dabei, außerdem weißt du nicht mehr so ganz, wo du die gerade verräumt hast, und das süße Strassdiadem im letzten Laden wäre irgendwie auch ein bisschen too-much gewesen *hachz*, naja Schwamm drüber…)
Jedenfalls stehst du da gemütlich, hältst zwei Haarreifen vor dich und konzentrierst dich auf DIE Entscheidung schlechthin… als plötzlich neben dir ein schlecht gelauntes Nebelhorn blökt “Gennsefleisch ma Bladds mochn?” Na mit Gänsefleisch hast du bei deinem aktuellen Ernährungsprogramm nicht allzuviel am Hut, aber schließlich lässt du die schlechtgelaunte Muddi mit dem weit über die Nutzlast hinaus ausgestopften Kinderwagen und dem fleißig mit-die-Finger-guckenden Kind mal eben vorbei.
Wrong move, denn während du deine Entscheidung triffst und dich dann noch suchend nach einem Toupierkämmchen umschaust, belagert der mütterliche Schwerlasttransport schon mal die Kasse. Während sie hektisch hin und her rennt, da noch was zusammenrafft und hier ihr Kind einsammelt, das schon wieder stiften gegangen ist, fragst du die Kassiererin nach dem begehrten Objekt und stellst dich nach entsprechender Absage brav an, denn die Gute an der Kasse hat schon begonnen, die Waren der hibbeligen Kleinfamilie einzuscannen.
Rumms! hast du nen Kinderwagen am Knöchel. Entschuldigung? Nöööö… “Gennnsefleisch…” (Rest siehe oben). Die gute Laune hält wie Dreiwettertaft und du entscheidest dich dagegen, der Dame mal so richtig die Meinung… *hrmmmmf* Stattdessen schaust du nur sparsam, während Muttertier aus allen Ecken, Enden, Ritzen und Fugen des Kinderwagens irgendwelche Waren hervorzieht, diese mehr oder weniger systematisch auf dem arg kurzen Kassenband auftürmt, eine große Tüte kauft, diese wieder storniert und gegen vier kleine eintauscht, von zwei Seifenblasenspielzeugen eines wieder zurückgibt, während das Kind die vom Kassenband stürzenden Waren aufsammelt und wieder hochgibt… endlich bemerkt die Kassiererin, dass die Kurze ein Paar Stiefel anhat, das ein Preisschild des Ladens trägt und scannt auch diese noch ein.
Endlich - der Endbetrag. Dein Blick fällt auf etwas Glitzerndes zwischen einem angesabberten Brötchenteil und einer Trinkflasche. Honigsüß fragst du in die Runde, ob die Kette denn schon abkassiert sei… die Kassiererin kann sich ein Grinsen nicht so ganz verkneifen, und der Blick der Mutter… nja, sagen wir mal, dass Asbestunterwäsche ihre Vorteile hat.
Und während Frau Flodder ihren Krempel einrafft, reichst du der Kassiererin mit strahlendem Lächeln deinen Euro, sackst den Haarreifen ein und stöckelst huldvoll aus dem Laden. Dein Begleiter amüsiert sich still, und als du vorsichtig die Frage in den Raum stellst, ob deine Boshaftigkeit nun schlechtes Karma bringen würde, meint er nur: “Nö, denn kleine Dinge straft der da oben sofort.” Das leuchtet dir ein, und mit der Welt im Reinen schwebst du Richtung Partaaaaaaaaaaay…..